Mitwirkung von Vorerkrankungen in der Unfallversicherung

Eine Unfallversicherung hilft bei körperlichen Schäden nach einem Unfall und schafft finanziellem Spielraum beim Umbau des Autos, der Wohnung oder des Hauses und kann sogar Teile des Einkommens ersetzen. Damit im Leistungsfall bestehende Vorerkrankungen und Gebrechen nicht zum Albtraum werden, ist bei der Tarifwahl eines besonders wichtig: der Mitwirkungsanteil.

Um die Bedeutung der Mitwirkungsanteils näher zu betrachten, müssen wir uns zunächst kurz mit der Funktionsweise einer Unfallversicherung beschäftigen. Viele Neukunden die zu mir kommen und deren Verträge ich überprüfe, wissen nicht genau wann und wie viel Geld sie aus ihrem Bestandsvertrag zu erwarten haben.

Wann und wie viel Geld bekomme ich?

Die Leistung berechnet sich aus der so genannten Invaliditätsgrundsumme, dem Grad der Invalidität in Prozent und der jeweiligen Gliedertaxe des Versicherungsvertrags. Es muss also eine dauerhafte körperliche Beeinträchtigung nach einem Unfall zurückbleiben. Ein Beispiel aus der Praxis: Eine 55-jährige Hausfrau stürzt beim Putzen von der Treppen. Dabei bricht sie sich den rechten Unterschenkel. In ihrer Unfallversicherung ist eine Invaliditätssumme von 100.000,- EUR versichert. Das ärztliche Attest nach einem halben Jahr Behandlung und Reha-Maßnahmen bescheinigt der Dame eine dauerhafte Beeinträchtigung des Unterschenkels von 70%. Es werden also 50% gemäß Gliedertaxe für den rechten Unterschenkel angesetzt, multipliziert mit 70% Invaliditätsgrad, multipliziert mit der Grundsumme von 100.000,-. Ergibt eine einmalige Gesamtentschädigung i.H.v. 35.000,-. So weit so gut.

Was passiert bei Mitwirkung von Vorerkrankungen und Gebrechen?

Nehmen wir an, unsere Frau aus obigem Beispiel war nicht mehr kerngesund. Wie viele Deutsche litt sie an einer leichten Diabetes Typ II, welche natürlich auch im ärztlichen Gutachten Erwähnung fand. Laut Arzt wirkte die bestehende Erkrankung zu 50% an der Gesamtinvalidität mit, da der Mediziner aufgrund der Zuckerkrankheit eine schlechtere Wundheilung als beim Gesunden unterstellt. Die der Versicherung zu Grunde liegenden Allgemeinen Unfallbedingungen 2014 besagen:

Entsprechend dem Umfang, in dem Krankheiten oder Gebrechen an der Gesundheitsschädigung oder ihren Folgen mitgewirkt haben (Mitwirkungsanteil), mindert sich bei den Leistungsarten Invaliditätsleistung und Unfallrente der Prozentsatz des Invaliditätsgrads.

Für unsere Verunfallte hat das ganz praktische Folgen. Die rechnerische Gesamtleistung von 35.000,- wird um die Hälfte gekürzt und es werden stattdessen nur noch 17.500,- ausgezahlt.

Augen auf bei der Tarifwahl

Um solch herbe Enttäuschungen nach einem ohne schmerzlichen Lebenseinschnitt zu vermeiden, empfehle ich seit Jahre nur Tarife, die auf eine Anrechnung etwaiger Vorerkrankungen vollständig verzichten oder falls nicht möglich, erst bei einem sehr hohen Mitwirkungsanteil (z.B. über 70%) Leistungen kürzen. In unserem praktischen Vergleichsrechner zur Unfallversicherung kann man den Mitwirkungsanteil gleich neben dem Tarif ablesen und wird so bei der Wahl der richtigen Absicherung unterstützt.

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